Erst, als alle Zecken entfernt sind und die Sonne über dem Meer aufgeht, kehrt der Mut langsam zurück. Es ist einer dieser Tage, an denen man sich selbst neu findet durch Ekel, Schmerz, und am Ende durch Weitermachen. Und dann ist da Fever, mein Pferd. Ein sensibles Tier mit einem Herzen, das für mich zu schlagen scheint. Eines Tages rast ein Lastwagen viel zu schnell um eine Kurve. Im Bruchteil einer Sekunde springt Fever zur Seite und rettet uns allen das Leben. Wir steigen ab und ich lese in seinen Augen: „Ich hab dich.“ Seitdem weiß ich, dass Vertrauen kein Wort ist, sondern ein Band. Das Wichtigste für uns ist dabei immer das Wohlbefinden der Pferde. Sie sind unsere Partner. Wir achten auf ihre Bedürfnisse, auf ihr Tempo, auf ihr Empfinden. Wer mit uns reitet, darf sich auf Abenteuer freuen, aber auch auf Achtsamkeit. Auf das, was ent- steht, wenn man Kontrolle los- und Vertrauen zulässt. Wir reiten nicht, um irgendwo anzukommen. Wir reiten, um unterwegs zu sein. Und wir möchten, dass auch andere dieses Gefühl erfahren: den Rhythmus des Sattels, den Atem des Pferdes, den Wind im Gesicht und die Erkenntnis, dass das Leben oft dann am klarsten ist, wenn nichts zwischen dir und der Welt steht. r e d n e a l d e i r F e n n e i r d A , e i p s e l l i G d y o l L d n u Unsere Pferde - zehn sind es insgesamt – werden zu einem Teil von uns. Ihre Geduld, ihr Instinkt, ihre stille Ausdauer tragen uns im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt Nächte, in denen sie ausbrechen und in gefährlichen Gebieten verschwinden. Und Momente der Erschöpfung, an denen sie mir mit einem Blick sagen, dass alles in Ordnung ist. Wir lernen, zuzuhören, nicht mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. Tief berührt sind wir von Fremden, die uns willkommen heißen, die uns eine heiße Dusche ermöglichen, oder von Familien, die ihre Mahlzeit mit uns teilen. Kinder, die barfuß neben unseren Pferden herlaufen und lachen können, als wäre die Welt in Ord- nung. Diese Wärme trägt uns durch manche Kälte, innerlich wie äußerlich. Nach unserer Rückkehr ist uns klar: Wir möchten dieses Erleb- nis weitergeben. Nicht als große Show oder organisierte Aben- teuertour. Sondern als Einladung, echt zu sein. Heute bieten wir selbst Wander- und Erlebnisritte an, nicht, um Menschen durch die Landschaft zu führen, sondern um sie wieder in Verbindung zu bringen: mit den Pferden, mit sich selbst, mit dem Moment. Begegnung mit Büffeln Unsere Reise hat uns nicht nur durch Südafrika geführt, sondern auch zu uns selbst – und letztlich auch zueinander. Denn ja: der Test war hart. Aber er hat uns gezeigt, dass wir tragen können, was das Leben bringt. Und dass das, was echt ist, bleibt. l e b a s I : s o t o F Heute leben wir in Botswana, im Tswehe Wildlife Reserve, um- geben von Natur, Tieren und Wildnis. Hier führen wir unser Leben weiter im Rhythmus der Pferde und laden andere dazu ein, Teil davon zu werden. Mit unserem Ubuntu Horse Trail, einem achttägigen Reitabenteuer im Busch, geben wir Menschen die Möglichkeit, Afrika vom Sattel aus zu erleben so nah, so pur, wie es nur geht. Dabei geht es nicht nur ums Reiten. Es geht ums Zu- hören. Ums Staunen. Um Gemeinschaft mit dem Pferd, der Natur und anderen Reitern. Ubuntu bedeutet: „Ich bin, weil wir sind.“ Und genau das ist es, was wir hier leben. In jedem Ritt. In jeder Begegnung. Isabel Wolf-Gillespie Link zum Ubuntu Trail: www.reiterreisen.com/ubu009.htm Wattritt im Abendlicht BUCHTIPP Die ganze spannende und berüh- rende Reisegeschichte hat Isabel Gillespie in ihrem Buch aufgeschrieben. SÜDAFRIKA VOM SATTEL AUS 270 Seiten erhältlich bei Amazon 29